Rahmenbedingungen

Durch das Klima wird die Anpassungsfähigkeit des Gebirgswaldes stark gefordert. Einige wichtige Faktoren sind die folgenden:

Wärmemangel und kurze Vegetationsperiode

Der Sommer und damit die Zeit des Wachstums ist kurz. Nur mit genügender Sonneneinstrahlung und Wärme können Knospen, Nadeln, Zweige, Wurzeln und Stämme wachsen. Alles Lebensnotwendige muss der Baum in kurzer Zeit bilden, um den kommenden langen Winter zu überstehen. Die Frostgefahr bleibt selbst während des Sommers bestehen.

Wachstum
Wachstum

Schnee

Lang liegenbleibende Schneedecken (insbesondere in Mulden) fördern Schneepilze an den Nadeln der Fichte, Arve und Föhre. Viele Keimlinge und Sämlinge sterben ab. Das Gewicht hoher Schneedecken und Gleitschnee verursachen Verkrümmungen von Stämmen kleiner Durchmesser. Auch Zweige werden abgebrochen. Bei Schneeschmelze beginnen die aus dem Schnee herausragenden Triebe Photosynthese zu betreiben. Die noch gefrorenen Wurzeln können aber das dazu nötige Wasser nicht liefern. Die Triebe vertrocknen (Frost-Trocknis).

Landschaft Winter
Landschaft Winter

Wasserversorgung

An besonnten Hängen trocknen Nadelstreu und Grasteppich besonders rasch aus. Die Keimlinge und Sämlinge leiden rasch unter lebensbedrohlicher Überhitzung und Wassermangel. Die Nadelstreu wird langsamer abgebaut und weniger Nährstoffe stehen zur Verfügung.

Vegetationskonkurrenz

Üppige Bodenvegetation (Hochstauden, Heidelbeeren und Alpenrosen, Farnfluren, Wollreitgras) lässt die Samen der Nadelbäume häufig nicht bis auf die Erde durchkommen oder gewährt den Keimlingen zu wenig Licht. Vielfach werden sie unter dem dichten Pflanzenteppich begraben und gedeihen nicht.

Wild

Knospen und junge Triebe sind Leckerbissen für das Wild (Reh, Hirsch, Gämse), was dem Wachstum der Bäumchen zusetzt. Extremer Verbiss (jährliches Abfressen) führt zum Verkrüppeln und Absterben der Bäumchen oder sogar zum Verschwinden der Baumart (z.B. Vogelbeere und Bergahorn). Auch Fegen und Schälen der Rinde verursachen Schäden an den Bäumen. Wälder in Wintereinstandsgebieten und mit wenig Äsungsflächen zeigen höhere Verbissintensitäten auf. Langfristig betrachtet hat starker Wilddruck fehlende Verjüngung und damit eine reduzierte Schutzwirkung des Waldes zur Folge. Eine angepasste Wilddichte ist für die Zukunft des Gebirgswaldes von grösster Bedeutung.

Zeit

Entwicklung und Wachstum im Gebirgswald brauchen Zeit, viel Zeit. Die Lebensspanne einer Fichte kann über 300 Jahre betragen. Das bedeutet, dass Fichten, die heute geerntet werden, bereits die Französische Revolution (1789) «miterlebt» haben. Damit verglichen ist die ca. 30 jährige Amtszeit eines Försters sehr kurz! Das Planen von Eingriffen erfordert daher ein ausgeprägtes Langzeitdenken. Viele Folgen heutiger Massnahmen sind erst nach Jahren zu erkennen.

Jahresringe
Jahresringe

Die Eingriffe im Gebirgswald sind von folgenden Umständen geprägt: Das Gelände im Gebirgswald ist in den meisten Fällen steil und erschwert die Holzerei. Dazu kommen die schwierige Erschliessung und lange Anfahrtswege. Arbeiten im Wald sind stark abhängig von der Jahreszeit. Die Bewirtschaftung des Gebirgswaldes ist nicht kostendeckend und daher auf Subventionen angewiesen. Doch gezielte Eingriffe sind unumgänglich, wenn der Schutzwald auch den kommenden Generationen Schutz bieten soll.